Mathias Wohlfeld
2 Online-Relations
2.1 Begriffsdefinition
Der Begriff
Online-Relations lässt sich definitorisch schwierig fassen, was der Grund dafür
sein könnte, dass bisher noch keine allgemeingültige Definition für ihn in der
Literatur zu finden ist. Im Kern beschreiben Online-Relations die Kommunikation
mit und mittels Online-Medien (vgl. Ruisinger 2007: 1). Vorraussetzung dafür ist
natürlich die Online-Kommunikation, unter der man allgemein den
computervermittelten Austausch von Aussagen zwischen einem Sender und einem
Empfänger versteht (vgl. Köhler 2006: 139). Online-Kommunikation setzt immer auf
technische Systeme als Plattform für die Kommunikation und Interaktion mit
virtuellen und realen Bezugsgruppen. Situationsspezifisch werden demnach
monologische oder dialogische Kommunikationsprozesse in Gang gesetzt (vgl.
Pleil/Zerfaß 2007: 515).
Professor
Patrick Rössler kumuliert unter dem Begriff Online-Kommunikation alle
netzbasierten Kommunikationsdienste, die prinzipiell einzelne
Kommunikationspartner über Datenleitungen miteinander verbinden und ein gewisses
Spektrum an verschiedenen Anwendungen ermöglichen. Online-Relations bauen darauf
auf, stellen aber jeweils gezielte Kommunikationsprozesse mit bestehenden oder
auch neuen Zielgruppen dar, wobei diese Disziplin der Kommunikation immer
innerhalb oder über das Internet stattfindet und das Ziel verfolgt, mit den
jeweiligen Zielgruppen in einen Dialog zu treten (vgl. Ruisinger 2007: 16;
Pleil/Zerfaß 2007: 512).
2.2 Ziele von Online-Relations
Die Ziele von
Online Relations sind vielfältig und stellen meist eine Ergänzung zu den Zielen
der klassischen Unternehmenskommunikation dar. Dies verdeutlicht auch noch mal
die Notwendigkeit, Online-Relations als Instrument mit verschiedenen Werkzeugen
der Unternehmenskommunikation zu sehen, denn so wird die ergänzende Funktion von
Online-Relations innerhalb der gesamten Unternehmenskommunikation deutlich (vgl.
Ruisinger 2007: 19). Online-Kommunikation muss in der Unternehmenskommunikation
grundsätzlich als integrierte Kommunikation verstanden und organisiert werden
und ist ein eigenständiges Kommunikationsfeld mit spezifischen Spielregeln und
Strategien, die in Abhängigkeit der jeweiligen Situation auf verschiedene Arten
kommunikativ Einfluss auf das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und dessen
Bezugsgruppen ausübt (vgl. Pleil/Zerfaß 2007: 512). Daher sind die
Kommunikationsziele im Internet meist stark auf Kontakt-, Informations- und
Unterhaltungsfunktionen ausgerichtet (vgl. Janich 2002: 150).
Ziele von
Online-Relations können sein, den Bekanntheitsgrad von Unternehmen oder von
deren Produkten zu steigern, um spezielle Partner oder verschieden
Bezugsgruppen, oder auch eine breite Öffentlichkeit mit ausgewählten
Informationen zu versorgen. Auch können sie dazu eingesetzt werden neue Kontakte
zu generieren, das Image zu pflegen und überhaupt auf dem Online-Markt präsent
zu sein (vgl. Ruisinger 2007: 19). Gerade über die Imagepflege können sich
Unternehmen eine positive Reputation verschaffen – worunter die Summe der
Wahrnehmungen und Einschätzungen eines Unternehmens durch die relevanten
Stakeholder, inklusive der konkreten Unterstützungspotenziale, die sich hieraus
ergeben, verstanden werden – die einen wichtigen immateriellen Wert darstellt,
der nur langfristig aufgebaut werden kann und schwer ersetzbar ist, von dem ein
Unternehmen aber nachhaltig zehren kann (vgl. Pleil/Zeraß 2007: 516). Wichtig
ist es zu bemerken, dass Online-Relations alle diese Ziele zu erreichen
versuchen, indem sie einen kontinuierlichen Dialog mit den jeweiligen
Zielgruppen aufbauen (vgl. Ruisinger 2007: 19).
2.3 Besonderheiten von Online Relations
Online-Relations verfolgen ihre Ziele indem sie mittels der neuen Medien in
einen Dialog mit den anvisierten Zielgruppen treten. Ihr Erfolg hängt allerdings
davon ab, dass man sie als Instrument richtig einsetzt und anwendet. Das
bedeutet, dass Onine-Relations in die bestehende Gesamtkommunikation eines
Unternehmens integriert werden müssen und nicht als eigenständiger
Kommunikationsraum angesehen und konzipiert werden dürfen. Online-Relations
stellen ein Werkzeug in der Corporate Communication dar (vgl. Kapitel 3.2).
Sie müssen so eingesetzt werden, dass sie die Stärken der jeweils eingesetzten
Medien nutzen und integrieren. Ruisinger verdeutlicht dies, indem er schreibt,
dass die Aktivitäten der Online-Relations „synchronisiert und verzahnt mit den
übrigen Kommunikations- und Marketingmaßnahmen, -instrumenten und –plattformen“
ablaufen müssen. Sie stellen eine zusätzliche Kommunikationsplattform. Mit
Online-Relations sollen keine grundlegend neuen Inhalte kommuniziert werden,
sondern sie bieten vielmehr neue Wege bereits bestehende zu kommunizieren (vgl.
ebenda: 16 ff).
Dass nicht
allein die Technik entscheidend sei, sondern das, was man mit ihr macht, also
wie, wann, wo und wofür man die Möglichkeiten des Internet einsetzt, bemerkten
Zerfaß und Krzeminski schon 1998 (vgl. Zerfaß/Krzeminski 1998: 359). Ebenso
wurde vor zehn Jahren auch schon prognostiziert, dass die sich ergebenden neuen
Möglichkeiten und Instrumente gezielt eingesetzt werden müssen, wenn man die
sich ebenso neu entwickelnden Kommunikationstypen, in den sich neu
herausbildenden Zielgruppen erreichen will (vgl. Möhrle 1998: 330). Das ist
wichtig, da die Medien eine bedeutsame Rolle für die Realitätswahrnehmung
spielen – eine Eigenschaft, die man sich zum Beispiel für die imagebildende
Vermittlung der Unternehmenskultur zu Nutze machen kann (vgl. Scheufele 2007: 95
f.).
2.4 Ansätze für die Kommunikation über Online-Medien
Für die
Kommunikation mittels Online-Medien werden – bezogen auf die
Informationsübermittlung – grundsätzlich zwei Ansätze unterschieden. Man
unterscheidet den Push-Ansatz und den Pull-Ansatz.
2.4.1 Der Push-Ansatz
Der Push-Ansatz
ist ein monologisch angelegter Ansatz, da er Informationen in monologischer
Präsentationsform automatisch an Kommunikationspartner definierter Bezugsgruppen
schickt. Die Netiquette setzt natürlich voraus, dass diese der speziellen Vorgehensweise zugestimmt,
wenn nicht sogar ein Informationsangebot abonniert haben (vgl. Zerfaß 1998: 48).
So werden beim
Push-Ansatz bestimmte Informationen gezielt meist per E-Mail an eine definierte
Zielgruppe gesendet. Dieser Ansatz bietet den Vorteil, dass Informationen rein
theoretisch spezifisch, schnell und aktuell zugänglich gemacht werden. Gestört
wird die Theorie des Push-Ansatzes dadurch, dass potentielle Empfänger –
beispielsweise wenn sie dem Empfang eines Newsletters nicht zugestimmt haben –
die Informationen nicht erhalten werden (vgl. Ruisinger 2007: 14 f.). Als
typische Push-Medien können E-Mail, Newsletter, Foren und auch Newsgroups
genannt werden (vgl. Westermann 2004: 167 ff.).
2.4.2 Der Pull-Ansatz
Der Pull-Ansatz
hingegen funktioniert andersherum: Bei diesem Ansatz werden Informationen im
Internet bereitgestellt und können bei Interesse angesehen, gelesen oder auch
herunter geladen werden. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass die Nutzer selbst
auswählen können, mit welchen der angebotenen Informationen sie sich wann
versorgen wollen; sie können also Informationsbreite und –tiefe, sowie den
Informationszeitpunkt selbst festlegen. Als Beispiele hierfür können Archive und
Pressebereiche auf Unternehmenswebseiten, aber auch „Corporate Websites“
(ebenda: 178) an sich genannt werden. Beim Pull-Ansatz liegt der entscheidende
Nachteil allerdings darin, dass jeder Nutzer selbst aktiv werden muss, um an die
Informationen zu gelangen (vgl. Zerfaß 1998: 47 f., Ruisinger 2007: 14).
Mit der
Pull-Technologie verlagert der Informationsanbieter damit die
Entscheidungsgewalt auf den Nachfrager, den Nutzer. Denn dieser kann,
beziehungsweise muss die Inhalte selber auswählen. Das bedeutet für die
Unternehmen wiederum eine bessere Kontrolle der Interessen und Handlungen ihrer
Bezugsgruppen (vgl. Thimm 2002: 6).
2.5 Typische Fehler in Online-Relations
Zwar bietet das
Internet für die PR-Fachleute jede Menge neuen Spielraum, aber gerade
Internetauftritte bleiben oft noch weit hinter den Möglichkeiten zurück, die
sich Kommunkationsprofis hierfür bieten und vermitteln geradezu den „Eindruck
strategischer Konzeptionslosigkeit“ (Heijnk 2002: 16), sodass sie keine Basis
dafür bieten, eine Beziehung mit Zielgruppen entstehen zu lassen und somit auch
kein Dialog mit eben diesen möglich wird. Das bezieht sich nicht nur auf Optik
und Design der Websites der Unternehmen und Organisationen, die oft immer noch
wie einfache Wiedergaben der Werbemedien, Broschüren oder Produktinformationen
wirken, sondern auch auf Fehler im Umgang mit den verschiedenen Instrumenten.
Dazu zählen zu lange Zeiträume für die Beantwortung von E-Mails, schlecht
strukturierte Pressebereiche für Fachkollegen, oder der falsche, gar
inflationäre Umgang mit interaktiven Elementen, wie Blogs oder auch
Gewinnspielen, die aufgrund ihrer Verwendung nicht zum angestrebten Dialog mit
den Kunden führen können (vgl. Ruisinger 2007: 5).
Grundlegende
Fehler bezüglich Gestaltung und Inhaltsbestimmung von Websites die noch oft
gemacht werden und Websites als farbenfrohe Sammelsurien hervorbringen, auf
denen verschiedenste Komponenten fast schon sinnfrei, auf jeden Fall aber ohne
nachvollziehbare Strategie feilgeboten werden, passieren immer wieder, weil den
zuständigen Entscheidern schlicht ein Prinzip fehlt, an dem sie sich orientieren
können (vgl. Heijnk 2002: 16). Die große Stärke des Internet – seine
Dialogfähigkeit – die seit Jahren in der Diskussion ist und die man nutzen
wollte und auch immer noch nutzen will, um die Kommunikation von Unternehmen
dialogorientierter zu gestalten, konnte demzufolge bisher nicht in ausreichendem
Maße umgesetzt werden. Das bestätigen mehrere Untersuchungen. Zwar bieten die
Webauftritte oft speziell für das Internet aufbereitete Bilder, Texte und
Grafiken zu zielgruppenrelevanten Themen, Biografien von Vorständen oder auch
Audio- und Videomaterial an, allerdings handelt es sich bei all diesen Angeboten
um monologisch konzipierte Kommunikation, welche den Besucher der Website nicht
aus der Rolle des Rezipienten herauslassen (vgl. Plei/Zerfaß 2007: 517).
2.6 Instrumente von Online-Relations
Newsgroups,
Chats und Foren sind typische Dialoginstrumente für die Kommunikation mit
Bezugsgruppen und schaffen Räume, in denen sich Internetnutzer schriftlich
austauschen und unterhalten können. Sie realisieren das Potenzial des Mediums
Internet auf eigene Weise. Daher können sie im Rahmen einer Firmenwebsite ein
gutes Mittel darstellen, um Kunden stärker an ein Unternehmen zu binden (vgl.
Iburg/Oplesch 2001: 178).
2.6.1 E-Mail
Die E-Mail ist
der mittlerweile am häufigsten genutzte Dienst im Internet. Sie ermöglicht es
Nachrichten an andere Personen mit einem Internetanschluss zu verschicken, wobei
dies längst nicht mehr nur für reine Textnachrichten gilt. Auch Video- und
Audiodateien, selbst ganze Webseiten können heutzutage versendet werden.
Prinzipiell wird die E-Mail als eine zeitversetzte, also asynchrone Form der
Telekommunikation angesehen, allerdings kann mit ihr rein theoretisch auch eine
nahezu direkte Kommunikation entstehen (vgl. Osterrieder 2006: 79).
Zwar hat das
Internet durch seine technischen Möglichkeiten und speziell auch durch die
E-Mail die Kommunikation und Kontaktaufnahme mit Menschen oder Institutionen
erleichtert, doch hat gerade die E-Mail auch die emotionale Schwelle für eine
Kontaktaufnahme stark gesenkt und damit die Folgen und Verbindlichkeiten einer
Kontaktaufnahme gleichzeitig als nicht so gravierend erscheinen lassen. Die
E-Mail zählt zweifelsfrei zu den herausragenden Modi des Internets, doch geht
den Nutzern beim E-Mail schreiben eine nötige Förmlichkeit für das Schreiben abhanden (vgl. Iburg/Oplesch 2001: 19).
2.6.2 Chat
Eine
schriftbasierte, interaktive Form der Internetkommunikation, die in Echtzeit
stattfindet, ist der Chat. Chatten bedeutet in der englischen Sprache soviel wie
plaudern oder schwatzen und gehört zu den populärsten Formen der
Online-Kommunikation. Grundlegende Idee für die Chat-Kommunikation war, ein
elektronisches Echtzeit-Diskussionssystem zu schaffen (vgl. Osterrieder 2006:
108). Gut vergleichen kann man die Kommunikationsform des Chat mit der
Telefonkonferenz, da eine gewisse Anzahl von Teilnehmern in einem virtuellen
Raum zusammengeschaltet ist und über die Computertastatur miteinander
kommuniziert (vgl. Iburg/Oplesch 2001: 184). Das charakteristischste an der
Chat-Kommunikation ist, dass die Teilnehmer in der Regel anonym bleiben und
nicht ihren tatsächlichen Namen angeben, sondern unter Pseudonymen kommunizieren
(vgl. Westermann 2004: 87).
2.6.3 Weblogs
Weblogs, die in
synonymer Kurzform auch Blogs genannt werden, sind technisch betrachtet
abgespeckte Foren. Ein beliebiger Autor hat in einem Forum die Möglichkeit einen
Beitrag zu einem Thema in eine vorgegebene Maske zu schreiben, der sofort lesbar
ist und von Lesern umgehend kommentiert werden kann. Es können also mehrere
Autoren, oder auch nur ein Autor in Erscheinung treten und es können sich lange
Diskussionen entwickeln (vgl. Osterrieder 2006: 114).
Weblogs gelten
als eine besonders authentische und expressive Kommunikationsform, deren Erfolg
entscheidend von den Autoren und Betreibern abhängt. Gerade Coporate Blogs,
haben den Vorteil, dass als deren Absender meist die komplette Organisation
auftritt. Sie bieten Organisationen und Unternehmen damit eine gute Möglichkeit,
sich eine Stimme zu verleihen: Zum einen, weil stets strategisch Informationen
und Aussagen gebloggt werden können, welche die Interessen und Positionierung
des Unternehmens zum Ausdruck bringen und zum anderen, da die Organisationen
diese sehr persönlich überbringen können, indem sie Führungskräfte, Vorstände
oder Geschäftsführer als Blogger einsetzen (vgl. Zerfaß/Boelter 2005: 117).
2.6.4 Newsgroups
„Newsgroups
sind themenspezifische Disskusionsgruppen, die über das Internet […] miteinander
kommunizieren.“ (Zerfaß 1998: 42). Die ursprüngliche Idee von Newsgroups war,
mit Hilfe vernetzter Computer ein globales Forum für wissenschaftliche Themen zu
bilden. Doch wird es nicht mehr primär von Wissenschaftlern genutzt, sondern von
unterschiedlichsten Gruppen. Meist treffen sich dort themenspezifisch
Gleichgesinnte, um sich über ein oder mehrere spezielle Themen auszutauschen.
Netiqetten (siehe Kap. 3.4.1) bestimmen dabei in
der Regel ein gewisses Maß an Toleranz und Höflichkeit, was aber direkte
Konfrontationen und das Äußern von Kritiken nicht ausschließt. Interessenten
können in Newsgroups einfach Mitglied werden. Da Newsgroups niemandem gehören,
sind die in den Gruppen veröffentlichten Beiträge auch öffentlich verfügbar
(vgl. Iburg/Oplesch 2001: 178). Im Gegensatz zum Chat verläuft die Kommunikation
in Newsgroups zeitversetzt ab (vgl. Westermann 2004: 88).
2.7 Exkurs: Usability
2.7.1 Begriffsklärung
Unter dem
Begriff Usability versteht man im Allgemeinen die Gebrauchstauglichkeit oder
Benutzerfreundlichkeit von Websites für deren Nutzer. Der bekannteste Vorreiter dieser Forschungsrichtung ist der Empiriker Jakob
Nielsen, der das Verhalten und die Kompetenzen von Internetnutzern gezielt
untersucht, indem er die Probanden vor Computer setzt und direkt testet und
beobachtet, was Nutzer können und was nicht und wie lange sie brauchen, um
verschiedene Anforderungen und Aufgaben zu bewältigen. Die Usability-Forschung beschäftigt sich vor allem mit der Struktur – darunter fallen der Seitenaufbau
und die Navigation – der Seitengestaltung, der Textarbeit und der Technik.
2.7.2 Usabilitiy – die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik
Ob eine Website
für einen Nutzer aber nun angenehm ist und ihm eine intuitive Benutzerführung
ermöglicht, sodass der Besucher in der Lage ist, gewünschte Informationen
schnell zu finden, ist aber von dem richtigen Zusammenspiel vieler verschiedener
Faktoren abhängig (vgl. ebenda: 346). Generell kann davon ausgegangen werden,
dass sich die Erwartungen der Internet-Nutzer am technisch Machbaren
orientieren. Werden die Erwartungen der Nutzer enttäuscht, indem eine Website
bestimmte Eigenschaften – oder auch Inhalte mit gewissen technischen Formaten
wie beispielsweise Online-Videos, oder Audio-Podcasts – nicht bietet, werden
User höchstwahrscheinlich zu einer anderen Seite abwandern (vgl. Heijnk 2002:
18). Wichtig ist zu erkennen und für die Gestaltung eines Webauftrittes auch zu
akzeptieren, dass es im Internet noch immer in erster Linie um die Suche nach
Informationen geht, die für die jeweiligen User wichtig sind und daher auch schnell von ihnen
gefunden und klar und verständlich für sie vermittelt werden sollen (vgl.
Iburg/Oplesch 2001: 103).
Schon 1998, als
das Internet bezogen auf die Nutzung für interne und externe
Unternehmenskommunikation und Online-Relations quasi noch in den Kinderschuhen
steckte, ist man davon ausgegangen, dass die Eigenschaften der sich
herausbildenden, neuen Zielgruppen die sein werden, dass sie ungeordnete und
unstrukturierte Informationen nicht ausstehen können und für sie eine schnelle,
nach Relevanz und Zeithierarchien geordnete Verarbeitung von Informationen
möglich sein muss. Unübersichtlichkeit ist dysfunktional und wird abgelehnt
werden, denn die zügige Selektion von Informationen ist sehr wichtig (vgl.
Möhrle 1998: 330).
Durch die von
dem Internet ausgelöste Informationsflut wird die Zuwendung der Rezipienten
außerdem zu einem knappen Gut. Es muss daher eine Herausforderung im
Kommunikationsmanagement von Unternehmen und Organisationen sein, für die Nutzer
eine Orientierung im Netz zu schaffen (vgl. Pleil 2007: 11). Weil das Internet
als Kommunikationsraum jedoch kein gefestigter oder abgeschlossener ist, da sich
die Möglichkeiten und Trends ständig ändern, werden Kommunikationsfachleute
wiederum zusätzlich vor Anforderungen gestellt, indem sie beständig mit den
schnellen Entwicklungen Schritt halten müssen (vgl. Ruisinger 2007: 15).
Es ist daher
wichtig, einer Website eine plausible Ordnung zu geben und so der selektiven
Nutzung durch Menschen zugänglich zu machen. Es ist ein ordnendes Gerüst
notwendig, an dem sich – auch schon die redaktionelle Produktion – orientieren
kann (vgl. Heijnk 2002: 19).
2.7.3 Grundlagen für die Struktur einer Website
Der
strukturelle Aufbau einer Website sollte so gestaltet sein, dass sich sowohl
zielgerichtete Sucher, wie auch unterhaltungswillige Surfer intuitiv
zurechtfinden können. Dafür sollten die Inhalte einer Website in logischen
Sinneinheiten rubriziert sein, die der Nutzer nachvollziehen kann, um so dessen
Lust am Klick für den nächsten Link zu erhalten. Die thematischen Einteilungen
sollten auch optisch gut erkennbar gestaltet werden. Dazu gehört, dass der
Nutzer jederzeit nachvollziehen kann, wo er sich gerade befindet und wie er in
die nächste Rubrik gelangt. Prinzipiell gibt es mit der hierarchischen, linearen
und verwobenen Struktur drei Grundmuster für den strukturellen Aufbau einer
Website, wobei die hierarchische Organisation es den Nutzern am leichtesten
macht, sich zurechtzufinden (vgl. Osterrieder2006: 156 ff.).
2.7.4 Grundlagen für die Navigation einer Website
Navigation und
Struktur einer Website hängen eng miteinander zusammen. Im besten Fall ist die
Navigation die optische Umsetzung eines technisch und strukturell richtigen
Konzepts, welches der Website zugrunde liegt. Die dafür nötigen
Navigationsleisten oder Navigationsmenüs sind normalerweise starr positioniert.
Starre Rubriken, die in der Regel horizontal am oberen Rand, oder vertikal, an
der linken Seite der Webseite stehen sollten, können um dynamische Unterrubriken – auch
„Pull-Down-Menu“ (Westermann 2004: 342) genannt – erweitert werden, wobei hier
nicht über eine dritte Ebene hinausgegangen werden sollte (vgl. Osterrieder
2006: 160). Auch ist eine Veränderung oder ein Wechsel in der Anordnung der
Navigationselemente innerhalb eines Internetauftritts zu vermeiden (vgl. Westermann 2004: 347). Eine
Suchfunktion und eine Sitemap sollten bei professionellen Websites außerdem zum
Standard in der Navigationsleiste gehören, da sie vorteilhaft für das schnelle
Auffinden von bestimmten Inhalten sind (vgl. ebenda: 342).
2.7.5 Grundlagen für die Textarbeit im Internet
Grundlegend ist
für die Textarbeit im Internet zu beachten, dass man in den Texten die Sprache
der anvisierten Nutzer spricht, was bedeutet, dass sie zielgruppenkonform
ausgewählt und stilisiert werden sollte. Außerdem ist darauf zu achten, kurz und
prägnant zu formulieren und klar zu sagen, was gemeint ist. Das gilt nicht nur
für längere Texte, die für das Internet verfasst werden, sondern in besonderem
Maße auch für Überschriften, wie auch für Buttons und Links in der
Navigationsleiste einer Website. Unmissverständlichkeit ist hier das
anzustrebende Muss (vgl. Iburg/Oplesch 2001: 104 f.). Denn im Internet – wo der
Nutzer nur einen Mausklick von der Konkurrenz entfernt ist – ist es umso
wichtiger, das Interesse des Nutzers zu wecken (vgl. Heijnk 2002: 54). Ein
Nutzer der nichts versteht und sich daraufhin verirrt, wird enttäuscht und
genervt sein und die Seite womöglich verlassen (vgl. Iburg/Oplesch 2001: 48). Im
Internet ist es daher noch wichtiger als bei Print-Medien, einen überzeugenden
Vorspann zu verfassen. Die so genannten Anreißtexte sind daher die strategisch
wichtigsten Texte einer Website. Denn nur wenn der Vorspann überzeugt, wird ein
Flaneur zum Leser (vgl. Heijnk 2002: 54).
Kurz und knapp
zu Texten ist auch eine zentrale These des Usability-Gurus Jakob Nielsen.
Allerdings ist seine Forderung nicht so zu verstehen, dass für das Internet
grundsätzlich – auf die Anzahl der Wörter bezogen – lediglich kurze Texte
geschrieben werden dürfen – sondern dass die Texte generell kurzweilig zu lesen
sein müssen. Des weiteren sollten die Texte sinnvoll fragmentiert werden und dem Leser
schließlich über Hyperlinks die Wahl zu lassen, ob er Textangebote weiter,
vertiefend lesen möchte oder nicht, da bei Internetlesern von unterschiedlichen
Interessenintensitäten ausgegangen werden kann und das Lesen am Bildschirm zudem
deutlich anstrengender ist, als das Lesen von bedrucktem Papier (vgl. Heijnk
2002: 57). Auch für das Texten im Internet ist das Handwerk des Schreibens
gefragt und enorm wichtig (vgl. Iburg/Oplesch 2001: 48).